NORDIRAK

Ein Erfolg? In der Statistik

Hassan Al Mohami: Nordirak – Deutschland – Nordirak

Über die Türkei und Griechenland kam Hassan Al Mohami* Ende 2017 nach Deutschland. Der Anfang war nicht leicht: Das Leben in der Erstaufnahmeeinrichtung und dann in einem Sammellager in einem kleinen Ort in der Nähe von Heidelberg waren von Unsicherheit und Isolation geprägt.

Warum er sein Zuhause überhaupt verlassen hatte? Die Eltern seiner Partnerin waren gegen die Beziehung der beiden und bedrohten ihn massiv. Hassan musste weg und landete so in Süddeutschland. Rückblickend erzählt er, dass er sich dort wohl gefühlt hat und gern geblieben wäre. Die Behörden hatten ihm den Status einer Duldung zugebilligt und trotz aller Schwierigkeiten Arbeit zu finden, glaubte er an eine Zukunft in Deutschland. Er hatte seine Ziele im Blick und wollte sich ein neues Leben aufzubauen.

Doch dann erkrankte seine Mutter plötzlich schwer. Sie bat Hassan, nach Hause zu kommen, und dieser entschied sich zur Rückkehr. Er hatte bereits im Asylverfahren von der Möglichkeit einer geförderten Rückkehr aus Deutschland gehört, ließ sich bei einer staatlichen Stelle dazu beraten und bereitete seine Ausreise vor. Dazu gehörte auch der Besuch eines Existenzgründungsseminars und die Erstellung eines umfangreichen Zeit- und Kostenplanes für den Aufbau eines eigenen Unternehmens. Gemeinsam mit der Rückkehrberatung entschied er, zurück in Erbil einen Friseursalon zu eröffnen. Nachdem er die Vorbereitungen abgeschlossen hatte und der Businessplan von der Rückkehrberatung an das zuständige European Technology and Training Centre (ETTC) in Erbil weitergeleitet worden war, verließ er Deutschland. Die Vorbereitung hatte ihm Hoffnung gemacht, sich tatsächlich etwas aufbauen und für sich und seine Mutter sorgen zu können. 

Am Bedarf vorbeigeplant

Es klingt wie eine makellose Reintegration. Hassan betont auch, dass die Unterstützung hilfreich war.“ Aber er benannt auch das Problem: „Es gibt hier extrem viele Friseurläden.“ Und dadurch zu wenig Kundschaft. „Meine Einnahmen reichen nicht einmal für die Miete. Manchmal arbeite ich nebenbei noch als Tagelöhner auf Baustellen.“ Ob die Eröffnung eines weiteren Friseursalons in Erbil betriebswirtschaftlich aussichtsreich ist – in den vorbereitenden Kursen in Deutschland und der Prüfung des Businessplans hat das niemanden beschäftigt. Hauptsache, es gibt einen Businesssplan und damit eine erfolgreiche Rückkehr...

Hassan erzählt, dass ihm die GIZ kürzlich angeboten hat, eine Vergrößerung des Geschäftes finanziell zu unterstützen. Das verwirrte ihn: „Sie wussten von der schlechten Kundenlage und trotzdem wollten sie meinen Laden vergrößern? Das macht überhaupt keinen Sinn.“ Womöglich stand dieReintegrationsförderung vor Ort unter „Mittelabflussdruck“. Eine Vergrößerung könnte als erfolgreiche Reintegration in die Statistiken einfließen. Alles andere scheint nachrangig – auch Hassans Überlegung, erneut nach Europa aufzubrechen. 

* Namen von der Redaktion geändert.